Unser Jahresthema 2026: Kinder und Medien

Themenabend „Kinder und Medienkonsum“ vom 20.04.2026 in Bad Camberg sorgt für nachdenkliche Gesichter 

Mit einem Informationsabend zum Thema „Kinder und Medienkonsum“ hat der DKSB Kreisverband Limburg-Weilburg voll und ganz den Nerv vieler Eltern getroffen. Etwa 150 Interessierte konnte Geschäftsführerin Maria Stillger im Kurhaus Bad Camberg begrüßen. Referent des Abends war der Medienpädagoge Wilfried Brüning, der gemeinsam mit seiner Frau Astrid die vielfältigen Facetten des Themas sehr lebhaft und anschaulich darstellte und beleuchtete.
In ihrer Anmoderation machte Maria Stillger deutlich, dass es darum gehe, zwischen den zwei Welten, der analogen und der digitalen, die Balance auszuloten. Insbesondere für Eltern und ihre Kinder eine schwierige Aufgabe, da die umfassende kindliche Entwicklung aller Sinne und des Gehirns von der Art der Erfahrung erheblich beeinflusst werden. Unterstützt wurde die Veranstaltung von „Videto“, der Projektpartnerschaft der Kommunen Bad Camberg, Brechen, Hünfelden und Selters im Rahmen des Bundesprogramms ‚Demokratie leben‘.
 

Anschaulich beschrieb Wilfried Brüning zunächst die Entwicklung und Vernetzung der rund 140 Milliarden Neuronen im Gehirn, auch im Vergleich der Informationssammlung über eine Zitrone durch eine Testperson mit all ihren Sinnen und die Wahrnehmung auf einem Bildschirm, lediglich mit Seh- und Hörsinn. Je mehr Vernetzung von vielfältigen Informationen in realen Erfahrungen stattfände, desto mehr Neuronen (=Schlaumacher) könnten rechtzeitig im Kindesalter ihre Entwicklung anstoßen. Es komme aber auf ein vernetztes Denken an. Daher seien Fernsehen und Tablets ein schwaches Medium zum Lernen: Eine virtuelle Welt sei nicht echt, tue aber so, als ob sie echt wäre, so Astrid und Wilfried Brüning.  Eltern sollten sich immer fragen: „Wieviel Zeit der Nichtentwicklung möchte ich meinem Kind zumuten?“
So seien im Kindergartenalter zehn Minuten Medienkonsum mit 40 Minuten realem Spielen auszugleichen (Grundschule 10:30). Bereits im Kita-Alter müsse es Kindern gelingen, möglichst viele Neuronen zu „Schlaumachern“ zu entwickeln.
Studien belegten, dass bei ausreichend real spielenden Kindern etwa doppelt so viele Neuronen vernetzt seien wie bei virtuell spielenden Kindern. Bekannt sei auch, dass sich Bildschirmmedienkinder in sich selbst zurückzögen. Spätestens in der Grundschule seien eklatante Konzentrations- und Interessensunterschiede unübersehbar. „Wir verweigern unseren Kindern eine umfassende Ausbildung aller Sinne, wenn sie zu viel Medienkonsum haben“, machte Brüning deutlich. Kinder sollten möglichst viel Zeit draußen mit freiem Spielen verbringen. Im Zusammensein mit Kleinkindern sollten Erwachsene völlig auf die Nutzung von Smartphones verzichten. „Mit dem Blick auf das Smartphone verweigern Sie Ihrem Kind Aufmerksamkeit. Immer, wenn Ihr Kind Aufmerksamkeit braucht, sollte das Smartphone keine Rolle spielen“. Eindringlich appellierte Brüning: „Wir müssen umdenken, digitale Medien machen Kinder süchtig. Kaufen Sie kein digitales Spielzeug, zerstören Sie Playstation und Nintendo“. Zwar sei ein Bewahren der Kinder vor Gefahren in der realen Welt ausgeprägt, „ in der virtuellen Welt hingegen lassen wir sie schutzlos alleine“. Eindringlich fordern Wilfried und Astrid Brüning daher ein gesetzliches Verbot von Social Media für Kinder unter 16 Jahren. 
 

In einem weiteren Block gingen die beiden auf die Verrohung von Sprache und den Suchtfaktor durch Zockerspiele ein. „Computerspiele sind dann erfolgreich, wenn sie unseren Überlebenswillen fordern“. Unser Körper schüttet dann die Glücksdroge Dopamin als Belohnung aus. Es berauscht, macht glücklich, sorgt für gute Gefühle. Als Negativbeispiel für süchtig machende Computerspiele führten sie „Fortnite“ an, ein Spiel, das durch intensive Action und soziale Dynamiken zwar Begeisterung (Teamwork, Kreativität), aber auch negative Effekte wie Aggressivität, Frust, Konzentrationsschwächen und Schlafprobleme auslösen kann. Es sei fatal, dass Kinder heute für Spannung, Spaß und Abenteuer nicht mehr vor die Tür gehen müssten. Da Kinder noch kein ausgeprägtes Kontrollsystem im Gehirn hätten und sich somit nicht selbst vor Spielsucht schützen könnten, sollten Eltern durch konsequente und klare Haltung versuchen, die Nutzungszeit entscheidend zu begrenzen.
Brüning appellierte, als Elternpaar klareindeutig und gemeinsam aufzutreten und immer wieder bei Anfragen des Kindes hinsichtlich von Medienzeit abzustimmen„Der Besitz eines Smartphones bedeutet das Ende der Kindheit und kann zu einer völlig unkontrollierten Nutzung führen“,  da durch die wirksamen 
 Algorithmen und das Teilen von Informationen  vermeintliche Sperren und Begrenzungen zu gefährlichen Inhalten leicht durchbrochen würden, warnte Brüning. Nicht umsonst hätten Familienväter unter den Tech-Giganten bei ihren eigenen Kindern Nutzungsverbote vorgenommen. Mit der Feststellung „Sucht ist das Gegenteil von Freiheit“, sorgten Astrid und Wilfried Brüning für viele nachdenkliche Eltern.